Rapperswil am Zürichsee
Das philosophische Gespräch
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Das philosophische Gespräch  

Offenheit und Neugierde  

Dialog und kreativer Prozess  

Gelingendes Gespräch  

Philosophie und Solidarität  

 
Junge Steinkäuze


Junger Steinkauz


Offenheit und Neugierde


Das philosophische Gespräch lebt von einer Offenheit und Neugierde für sich selber und die anderen. Der Dialog wird zur Brücke: Zu den andern gelange ich nur über mich - und zu mir selber komme ich letztlich nur über die andern.



Dialog und kreativer Prozess

In diesem Dialog geht es nicht in erster Linie um Austausch von Wissen oder Befindlichkeiten. Das gemeinsame Gespräch entwickelt sich aus einer philosophischen Fragestellung heraus, umkreist diese prüfend, verändert allmählich die Perspektiven, spinnt immer weitere Fäden, versucht sich in Antworten, gerät in Sackgassen, unternimmt neue Anläufe – kurz: Philosophieren ist ein lebendiger, kreativer Prozess.



Gelingendes Gepräch

Das philosophische Gespräch gelingt nicht immer gleich gut. Gelingt es, so stellt sich das gemeinsames Bewusstsein ein, einer Frage philosophisch näher gekommen zu sein. Gelingt ein Gespräch besonders gut, was Offenheit, Zeit und Geduld erfordert, ergibt sich „existentielle Kommunikation“, wie der Philosoph Karl Jaspers es genannt hat: Kommunikation als lebendiger Austausch dessen, was uns tiefer bewegt.



Philosophie und Solidarität

Im philosophischen Gespräch kommen sich Menschen näher: Die eigenen Gedanken können ausformuliert und in die Runde eingebracht werden. Sie bilden mit den Gedanken der anderen sozusagen ein Gedankengeflecht, worin auch eine gewisse Solidarität zum Ausdruck kommt. Dies in zweifacher Hinsicht:

Erstens denken Menschen verschieden. Diese Differenzen bilden einen Ansporn für geistige Auseinandersetzungen. Gerade beim Philosophieren erfahren wir eine Beschränktheit des eigenen Denkens und der individuellen Sicht der Dinge. Im Wissen darum spiegelt sich ein solidarischer Respekt vor dem Denken der anderen und dem gemeinsamen Bemühen um geistige Horizonterweiterung. In der Philosophiegeschichte sind verschiedenste Anstrengungen unternommen worden, eine bestimmte Art des Denkens als allgemeingültig zu erklären. Doch ein Absolutheitsanspruch eines für alle verbindlichen Denkens ist letztlich nicht einlösbar, zu vielfältig sind die Grundvoraussetzungen, Absichten und Perspektiven menschlicher Denkanstrengungen.

Dies führt zweitens zu einer solidarischen Bescheidenheit. Wir alle wissen nicht, wie die Welt "wirklich" ist. Wir erfahren, dass ein Unterschied besteht zwischen unseren Vorstellungen über die Welt und der Welt an sich, so wie sie "wirklich" ist. Eine fundamentale Kluft tut sich auf zwischen "Denken und Sein", wie es Hannah Arendt formuliert. In dieser existentiellen Grundverfassung kann sich statt Resignation auch eine Hoffnung auf geistige Freiräume einstellen, in denen ein kreatives, verantwortungsvolles Denken in Solidarität und Freundschaft gepflegt werden kann.




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